Bericht über das Projekt „Fliegerbau“
Verfasser: Stephan Bertl
Am Nachmittag des ersten Tages führten Holger Wolfschmidt und ich das Projekt „Fliegerbau“ durch. Dabei sollte es nicht nur um eine Bastelstunde gehen, sondern den Mädchen mathematische Begriffe wie Symmetrie und Schwerpunkt anhand von Papierfliegern nähergebracht werden.
Zunächst begann ich mit einer allgemeinen Einführung zum Thema Fliegen, gab einen geschichtlichen Abriss über die ersten „Flugobjekte“ von Daidalos und Ikaros bis zu den Brüdern Wright, die schließlich Anfang des 20. Jahrhunderts das erste flugfähige Motorflugzeug erbauten. Anschließend erklärte ich ein wenig die Flugtheorie, also die vier verschiedenen Kräfte (Schwerkraft, Auftrieb, Schub, Widerstand), die auf ein Flugzeug wirken und demonstrierte u.a. auch durch Pusten über ein Blatt Papier, das ich in den Händen hielt, wie das Prinzip des Auftriebs funktioniert.
Den praktischen Papierfliegerbau gestalteten wir so, dass ich zunächst die einzelnen Schritte eines Fliegers (des Modells „Taube“) vorführte und die Mädchen diese nachfalteten, wobei wir sie bei Problemen unterstützten. Dabei ging ich auch etwas auf die Symmetrie, die für einen gleichmäßigen Flug entscheidend ist, auf Besonderheiten des Papiers, welches nicht zu dick gewählt werden sollte, und auf den Schwerpunkt, der an der Stelle liegt, wo sich der Flieger im Gleichgewicht befindet, wenn man ihn auf einer Hand balanciert, und welcher der ideale Abwurfpunkt ist, ein.
Beim Bau des zweiten Fliegers, des „Hummel-Schwebers“, verfuhren wir wieder nach dem Prinzip des ersten. Hierbei musste bei einem Arbeitsschritt ein Kreissegment ausgeschnitten werden. Bei dieser Gelegenheit führte Holger eine mathematische Definition des Kreises, nämlich den Kreis als Menge aller Punkte, die von einem festen Punkt aus denselben Abstand haben, sowie den Begriff des Radius ein und zeigte der Gruppe, wie man mit Hilfe eines Stifts und einer Schnur einen Kreis zeichnen kann, indem man eine etwas längere Schnur (je nach Radius) um einen Stift bindet, das andere Ende am gewünschten Mittelpunkt festhält und dann mit der gespannten Schnur aufs Papier zeichnet.
Zum Schluss durfte jedes Mädchen noch einen eigenen Flieger entweder nach Anleitung oder eigener Fantasie gestalten.
Der Höhepunkt dieses Projekts war schließlich das Ausprobieren der erschaffenen Modelle, wofür uns günstigerweise das Audimax zur Verfügung stand, denn dort boten sich aufgrund der Größe des Raums ideale Verhältnisse, Papierflieger gleiten zu lassen.
Im Großen und Ganzen konnten wir mit der Durchführung schon zufrieden sein, da es den meisten Mädchen sichtbar Spaß machte, auch wenn einige von ihnen zu Beginn noch skeptisch waren und meckerten. Positiv war sicherlich, dass sie die Grundprinzipien des Fliegens auf praktische Art und Weise kennen lernten und dabei auch ihre Freude hatten. Auch die Einführung des Kreisbegriffs und die vorgeführte Zeichentechnik gefiel mir sehr gut.
Allerdings muss man auch sagen, dass der mathematische Hintergrund insgesamt leider zu kurz kam und dadurch das Basteln zu sehr im Vordergrund stand. Das Hauptproblem war nämlich, dass einige Mädchen die Mathematik gar nicht interessierte. Vielleicht lag dies aber auch daran, dass ich zuvor zu viel theoretische Grundlagen des Fliegens aus der Physik (besonders die wirkenden Kräfte) erklärte. So merkte ich bald, wie die Aufmerksamkeit sehr stark schwand und entschloss mich, die mathematischen Prinzipien nur den wirklich Interessierten im Einzelgespräch näher zu bringen. Dadurch wurde natürlich das Ziel verfehlt, möglichst alle mit der Mathematik zu konfrontieren.
Letztendlich hätte ich die Einführung wohl knapper halten und dabei schneller und zielstrebiger auf die Mathematik kommen müssen. Doch gerade dies war eine sehr gute Erfahrung für den späteren Lehrberuf.
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