|
Graduiertenkolleg Angewandte Algorithmische Mathematik Forschungsprojekte |
|
|
Überblick Projektübersicht Einzelvorstellung |
Die Forschungsgebiete der einzelnen, im beantragten
Graduiertenkolleg ``Angewandte Algorithmische Mathematik'' zu
behandelnden Forschungsprojekte fokussieren in vier thematischen
Schwerpunkten, zwischen denen enge Synergien bestehen. Allen gemeinsam
ist ihr enger Bezug zu algorithmischen Fragestellungen im Rahmen von
Problemen der angewandten Mathematik. Im Einzelnen sollen im Rahmen des
Graduiertenkollegs folgende Schwerpunkte gefördert werden:
I: Mathematische Methoden der Signal- und Bildanalyse
II: Stochastik
III:Mathematische Modellbildung, Differentialgleichungen und Numerik
IV: Diskrete, Geometrische und Algebraische Strukturen
Die verschiedenen Forschungsprojekte der angewandten algorithmischen Mathematik werden in enger Zusammenarbeit der Träger/innen des Kollegs behandelt. Es findet ein reger Austausch zwischen allen Arbeitsgruppen statt.
Im einzelnen werden im Rahmen des Graduiertenkollegs folgende Forschungsvorhaben gefördert:
(F. Bornemann)
Freie Unstetigkeitsprobleme bieten eine natürliche
Variationsformulierung für so unterschiedliche Anwendungen wie
Riss- und Bruchmechanik, Bildsegmentierung, Signalrekonstruktion,
Mehrphasenströmungen und die mathematische Beschreibung von
Flüs\-sigkeitskristallen. Sie erlauben eine systematische und
einheitliche mathematische Theorie, in welche nur physikalisch
unmittelbar
interpretierbare Parameter eingehen. Die numerische Behandlung dieser
Variationsprobleme
befindet sich jedoch noch in den Anfängen: sowohl die
Diskretisierung
als auch die zugehörige nichtkonvexe Optimierungsaufgabe weisen
vielfältige mathematische Probleme auf, die in der Regel mit
Regularisierungen behandelt werden, welche aber die Vorteile des
Variationsansatzes zerstören.
Im Rahmen des Graduiertenkollegs soll die Möglichkeit untersucht
werden, einen adaptiven Finite-Elemente-Algorithmus mit Hilfe von
stochastischen Multilevel-Algorithmen im Sinne eines kaskadischen
Mehrgitterverfahrens
zu beschleunigen und zu verbessern. Auf diese Weise würden die in
der
Literatur bislang getrennten Linien des Simulated Annealing und der
Coarse-to-Fine-Homotopy (graduated nonconvexity algorithm)
zusammengeführt werden.
(M.
Brokate)
Systeme mit Hysteresis spielen in verschiedenen Anwendungsbereichen der
Mathematik eine wichtige Rolle. Hysteretisches Verhalten kann als
Gedächtniseffekt gedeutet und entweder explizit über
zusätzliche innere Zustandsvariablen beschrieben oder implizit
über nichtkonvexe Energiefunktionale erhalten werden. Im
vorliegenden Projekt sind wir primär an ratenunabhängigen
Hysteresen interessiert. Deren klassische Anwendungen liegen unter
anderem im Bereich der Elastoplastizität und des Ferromagnetismus,
neuerdings auch etwa bei der Beschreibung des piezoelektrischen
Materialgesetzes und von Gleichgewichtssituationen in der
ökonomischen Theorie. Systeme, in denen gewöhnliche oder
partielle Differentialgleichungen mit ratenunabhängigen Hysteresen
gekoppelt sind, sind in der mathematischen Analysis eingehend
untersucht worden. Auf der Grundlage dieser Ergebnisse ist es
möglich, auch Optimierungsprobleme für solche Systeme zu
behandeln. Im Vordergrund des vorliegenden Projekts steht dabei die
Untersuchung der Optimalwertfunktion und ihre Charakterisierung als
Viskositätslösung einer zu ermittelnden HJB-Gleichung.
(M.
Brokate)
Dynamische Systeme mit Gedächtnis treten in vielen Bereichen der
angewandten Mathematik auf. Typische Beispiele kommen aus der
Steuerungstheorie, wo Feedback-Regelungen einen gewissen
Verzögerungseffekt verursachen, oder aus dem Bereich der
Elastoplastizität, wo Hystereseeffekte auftreten. In dem
vorliegenden Projekt sollen Homogenisierungs-Methoden entwickelt
werden, die es erlauben, Mehrskalen-Differentialgleichungen mit
Gedächtnis auf eine einfachere Gestalt zu bringen und somit deren
numerische Behandlung möglich zu machen. Im Hinblick auf deren
Anwendbarkeit bei nicht-glatter oder unsicherer Dynamik sollen von
Anfang an mengenwertige Differentialgleichungen (oder
Differentialinklusionen) betrachtet werden.
(M.
Brokate, Müller)
Man kann einen angeborenen und einen adaptiven Teil des Immunsystems
unterscheiden. Während das adaptive Immunsystem für eine
spezifische,
auf ein spezielles Pathogene zugeschnittene Immunantwort verantwortlich
ist, reagiert das angeborene Immunsystem unspezifisch auf eine
große
Klasse von Pathogenen. Diese Reaktion ist im evolutionären Sinne
sehr
alt; so verfügen auch Pflanzen über eine Immunantwort dieses
Typs.
Im Gegensatz zum adaptiven Immunsystem wurde der angeborene Teil von
der
Modellierung bisher wenig beachtet, obwohl medizinisch und biologisch
wichtige
Fragen offen sind, etwa die Bekämpfung des ``Systemic
Inflammatoric
Response Syndrome'' von Unfallopfern oder die Mechanismen der
Aktivierung
der systemischen inflammatorischen Immunantwort von Pflanzen. Die
Modellierung
mit Hilfe dynamischer Systeme bildet einen guten Ansatz, um diese
Fragen
zu behandeln. Die Theorie der dynamischen Systeme hilft, die
möglichen
Dynamiken zu klassifizieren. Parameter können z.B.mit Bayes'schen
Methoden
geschätzt werden, und mittels Kontrolltheorie können die
Möglichkeiten,
das System zu beeinflussen, untersucht werden.
(C. Czado)
Kategoriale Zielvariablen mit Kovariablen treten z.B. in Finanz- und
Versicherungsmathematik, Medizin, Biologie, Sozialwissenschaften und
Verkehrsforschung auf. Häufig weisen diese Daten noch
zusätzliche Strukturen wie räumliche und zeitliche
Abhängigkeiten auf. Daneben gilt es auch, Heterogenität und
Clustereffekte zu berücksichtigen. In diesem Projekt sollen diese
zusätzlichen Strukturen modelliert werden. Dabei sollen
insbesondere Modelle formuliert werden, die Wechselwirkungen zwischen
den Strukturen erlauben. Die Parameterschätzung in diesen
komplexen Regressionsmodellen soll mit Hilfe von Markov Chain Monte
Carlo Algorithmen erfolgen. Die Suche nach geeigneten
Modellwahlkriterien und Modellvalidierungsverfahren schließt sich
dann an. Die entwickelten Algorithmen und Verfahren sollen dann auf
konkrete Fragestellungen aus der Kfz-Versicherung, der
Migräneforschung und Mobilitätsforschung angewandt werden.
( L. Fahrmeir)
In komplexeren Anwendungen der Regression ist man oft mit mehreren der
folgenden Probleme gleichzeitig konfrontiert: Der Einfluss einiger
Kovariablen auf die Zielvariable ist nichtlinear, die Daten sind
räumlich oder zeitlich korreliert, und es besteht unbeobachtete
Heterogenität. Im Rahmen des Projekts werden strukturierte
Regressionsmodelle entwickelt, die mit computerintensiven
Bayesianischen oder Bayes--nahen Inferenzmethoden analysiert werden.
Mögliche Anwendungen reichen von der funktionellen Neuroanatomie
hin bis zur Analyse von Finanzrisiken bei Banken und Versicherungen.
(P.
Gritzmann)
In den letzten Jahren wurden detailliert kombinatorische
Optimierungsprobleme studiert, die im Rahmen der diskreten Tomographie
auftreten. In der dritten Förderperiode des Graduiertenkollegs
soll der Aspekt der Schlechtgestelltheit dieses diskreten inversen
Problems im Vordergrund stehen. Hierfür
liegen weitgehende Instabilitätsresultate vor, die den Weg zu
adäquaten Regularisierungen weisen. Insbesondere treten hier neue
Fragen der Codierungstheorie auf sowie Fragen der adäquaten
Behandlung statistischer Effekte.
(P.
Gritzmann)
Computational Convexity ist ein Teilgebiet der angewandten Mathematik,
in dem Fragestellungen und Methoden aus den Bereichen Konvexgeometrie,
Mathematische Optimierung und Informatik zusammenfließen.
Typische
Problemstellungen fragen nach der effizienten Berechnung geometrischer
Funktionale oder nach effizienten algorithmischen Konstruktionen
geometrischer
Objekte. Der Schwerpunkt liegt dabei auf hochdimensionalen
Phänomenen.
Ein zentrales Problem ist das konvexe Maximierungsproblem der
Normmaximierung
in Minkowski-Räumen. Hier liegen bereits präzise
theoretisch-algorithmische
Ergebnisse vor (Gr. & Klee; Bodlaender, Gr., Klee & van
Leeuwen;
Brieden, Gr., Kannan, Klee, Lovasz & Simonovits). In der dritten
Förderperiode des Graduiertenkollegs sollen nunmehr auf Methoden
der Normmaximierung basierende Algorithmen für Clusterprobleme
entwickelt werden, die (bei Projektpartnern) in der Medizin
(Demenzforschung) und der Landwirtschaft (Flurbereinigung) auftreten.
(G. Kemper)
Es geht um Rekonstruktionsfragen in der Bildverarbeitung. Vor Kurzem
ist gezeigt worden, dass die meisten ebenen Punkt-Konfigurationen
eindeutig durch die Verteilung ihrer gegenseitigen Abstände
bestimmt sind. Eindeutigkeit gilt hier bis auf die Operation der
euklidischen Gruppe. Dies sollte auf andere in der Bildverarbeitung
relevante Gruppenoperationen verallgemeinert werden, wobei
Rekonstruierbarkeit aus der Verteilung gewisser Unter-Konfigurationen
nachgewiesen werden soll. Besonders interessant sind hier die
projektiven Gruppen PGL$_n$.
(G. Kemper)
Vor nicht allzu langer Zeit wurde ein Algorithmus zur Berechnung von
Invariantenringen reduktiver Gruppen in positiver Charakteristik
entwickelt. Dieser ist jedoch auf den Fall von linearen Operationen
beschränkt. Es sollen nun Algorithmen gefunden werden, bei denen
diese Beschränkung zumindest teilweise aufgehoben ist. Ein
sinnvolles Ziel wäre beispielsweise, den Fall von Operationen auf
normalen Varietäten zu erreichen. Die Algorithmen
sollen dann implementiert und an praktischen Beispielen getestet
werden.
Von großem Interesse sind auch Komplexitätsbetrachtungen.
(C. Klüppelberg)
Ein grundlegendes mathematisches Problem der Versicherungsmathematik
stellt sich im Integrierten Risiko Management (IRM). IRM umfasst die
Modellierung, Bewertung und Absicherung von Versicherungsrisiken
(Schäden) und Finanzrisiken (Investment) gleichzeitig. Analoge
Fragestellungen betreffen den Finanzbereich, wo Portfolios aus
verschiedenartigen Instrumenten gebildet werden; auch
hier ist die dynamische multivariate Modellierung eine zentrale Frage.
Wir
schlagen ein allgemeines dynamisches Modell in der Form eines
multivariaten
Lévy Prozesses vor, das Versicherungs- und Finanzrisiken
realistisch
modelliert. Mögliche Abhängigkeiten zwischen Versicherungs-
und
Investmentprozess sollen ebenfalls auf Basis des Lévymaßes
modelliert werden. Innerhalb dieses Modells sollen
Ruinwahrscheinlichkeiten
berechnet und Fragen des optimalen Investments beantwortet werden.
(C. Klüppelberg)
Zeitstetige Modelle haben in der Modellierung und Schätzung von
Finanzzeitreihen große Bedeutung, da sie es erlauben, Zeitreihen
zu analysieren, die zu irregulären Zeitpunkten gemessen werden.
Das ist typisch für Finanzzeitreihen, wo zu jedem Handelszeitpunkt
ein Preis notiert wird. In diesem Projekt sollen Schätzmethoden
für einen neuen zeitstetigen GARCH Prozess (getrieben von einem
Lévy Prozess) entwickelt und untersucht werden. Neben
theoretischen Eigenschaften soll eine Simulationsstudie angefertigt und
auch eine reale Finanzzeitreihe an das Modell angepasst werden.
(R. Lasser)
Das allgemeine Dach der Integral-Transformationen überspannt nicht
nur Fourier-, gefensterte Fourier-, anharmonische Fourier- oder
Wavelet-Transformation, sondern auch Hankel-Transformationen oder
allgemeiner Sturm-Liouville-Transfomationen (z.B. anguläre und
radiale sphäroidale Wellenfunktionen). Es
ist wohlbekannt, dass gerade in vielen Anwendungsproblemen die Signale
bzw. Bilder mittels verschiedener Wellenfunktionen optimal zerlegt
werden
können. Damit eine Analyse und Synthese von Signalen und Bildern
mit derartigen Basisfunktionen theoretisch und algorithmisch
erfolgreich
durchgeführt werden kann, benötigt man eine dazu passende
Familie
von verallgemeinerten Translations-Operatoren. Diese sind für
viele
Beispiele von Eigenfunktionen bereits etabliert (siehe Lasser und
Connett,
Markett und Schwartz). Im Rahmen des Graduiertenkollegs sollen
insbesondere
Zeit-Frequenz-Methoden entwickelt werden, bei denen Jacobi-gewichtete
Signalräume
auf kompakten Intervallen eine optimale Beschreibung erlauben.
(R. Lasser)
In der NMR Spektroskopie treten Signale auf, sogenannte free induction
decays (FID), die sich als Überlagerung von gedämpften
harmonischen Schwingungen modellieren lassen. Die Aufgabe besteht nun
darin, aus den Abtastwerten s_n = s(n \tau) die Amplituden und
Exponenten zu bestimmen. Es liegt somit ein nichtlineares
Interpolationsproblem vor, die ``Harmonische Inversion''. Die
Filterdiagonalisierungsmethode basiert auf der Idee, dass die
Abtastwerte von einem quantenmechanischen System erzeugt werden. Durch
Einf"uhren bestimmter Basen kann das oben beschriebene Problem in ein
verallgemeinertes endlichdimensionales Eigenwertproblem mit
diagonaldominanten Matrizen transformiert werden. Ein anderer
Lösungsansatz beruht auf der Idee, aus den Abtastwerten eine
Funktion zu konstruieren, die ausgeprägte Extremalstellen an genau
den Stellen besitzt, die den gesuchten Exponenten entsprechen. Diese
Extremalstellen sollen dann mittels einer Wavelet-Zerlegung bestimmt
werden.
(R. Lasser)
Mit der Entwicklung neuer bildgebender Verfahren in der Medizin und
den daraus erwachsenden Anforderungen an die Signal- und
Bildverarbeitung
sind die Anwendung mehrskaliger Verfahren und die Nachfrage nach neuen
derartigen Verfahren stark gewachsen. (Etwa bei der Fusion von Daten
ergibt
sich der Bedarf oft schon dadurch, dass Bilddatens"atze mit
unterschiedlichen
Auflösungen in Beziehung gesetzt werden müssen.) Zunehmende
Bedeutung gewinnen stochastische Methoden wie Bayesianische oder
penalisierte
Loglikelihood-Ansätze. Sie dienen einerseits der
Rauschunterdrückung
bzw. Rekonstruktion und andererseits der Extraktion charakteristischer
morphologischer Merkmale aus Signalen und Bilddaten. Im
Graduiertenkolleg
sollen auf Probleme der Lebenswissenschaften angepaßte Methoden
entwickelt
werden.
(E.W.
Mayr)
In vielen Bereichen der Angewandten Mathematik, der Modellierung und
Optimierung und der Informatik ergibt sich die Erfordernis, wenn
möglich
geschlossene mathematische Darstellungen für Lösungen
mathematisch
formulierter Probleme zu finden. Beispiele hierfür ergeben sich in
den Bereichen der mathematischen Modellierung geometrischer Objekte,
der
Bewegungsplanung, -steuerung und -optimierung, aber auch in
zunächst
im wesentlichen kombinatorischen Problemen (etwa Bestimmung von
Testmengen),
die auf die Lösung von Systemen nichtlinearer, polynomieller
Gleichungen
hinauslaufen. Eine immer stärkere Beachtung finden aber auch
hybride
Ansätze, in denen numerische, meist iterative Methoden mit solchen
der Computeralgebra verknüpft werden, etwa um bei iterativen
Optimierungsalgorithmen
eine bessere Konvergenz zu erreichen. Im Rahmen des Graduiertenkollegs
sollen vor allem Probleme und Algorithmen aus der Computeralgebra
untersucht
werden, die eine praktisch handhabbare algorithmische Komplexität
aufweisen.
Hierzu zählen z.B. Polynomideale niedriger Dimension oder solche
mit
geeignet strukturierten Erzeugendensystemen, wie etwa torische Ideale,
die
Bedeutung bei der ganzzahligen kombinatorischen Optimierung haben.
(J. Müller)
Contact Tracing ist eine Methode, um die Ausbreitung einer
infektiösen Krankheit in einer Population zu bekämpfen: Hat
man ein erkranktes
Individuum gefunden, so wird diese Person nach potentiell
infektiösen
Kontakten befragt. Die betreffenden Individuen werden wiederum auf die
Krankheit
hin untersucht. Gute Kriterien für Situationen, in denen diese
Bekämpfungsmaßnahme (wirtschaftlich) effizient eingesetzt
werden kann, oder Methoden zur Validierung der Durchführung
bestehen bisher kaum. Ein Ansatz der Modellierung
ist die Darstellung der Kontakte von Individuen durch einen
stochastischen
Graphen: Infizierte erzeugen weitere Infizierte und können selbst
geheilt
werden. Man erhält einen Geburts-Todesprozess, bei dem ``Geburt''
Infektion und ``Tod'' Heilung entspricht. Mit Hilfe des gerichteten
Graphen, der von den Knoten ``lebenden Individuen'' und Kanten
``lebenden Müttern''
nach ``lebenden Töchtern'' gebildet wird (eine Verallgemeinerung
der
Family Graphs), kann man nun Contact Tracing beschreiben. Erste
Ergebnisse,
die Dynamik dieses stochastischen Graphen betreffend, liegen vor. Die
Untersuchung soll nun weitergeführt werden.
(J. Scheurle)
Die Konzepte und Techniken der qualitativen Theorie dynamischer Systeme
eignen sich ausgezeichnet, Fragen der mathematischen Modellierung und
Analyse von vielen naturwissenschaftlichen, technischen und
wirtschaftlichen Evolutionsprozessen zu untersuchen, insbesondere im
nichtlinearen Fall. Während die Entwicklung der theoretischen
Grundlagen in den letzten Jahren enorm vorangeschritten ist, erfordert
die Komplexität praktischer Anwendungsprobleme darüber hinaus
eine algorithmische Aufbereitung der grundlegenden Erkenntnisse
und Methoden, so dass zur konkreten Umsetzung letzterer Mittel der
modernen Datenverarbeitung eingesetzt werden können. Bei den im
Rahmen des Graduiertenkollegs zu untersuchenden Fragestellungen der
Dynamik soll der
algorithmische Aspekt im Vordergrund stehen. In der kommenden
Antragsperiode
sollen Aspekte transienten dynamischen Verhaltens im Zusammenhang mit
Streuproblemen
der klassischen Mechanik sowie mit Problemen der Moleküldynamik im
Mittelpunkt
der Untersuchungen stehen. Aufgrund der beträchtlichen
Komplexität
derartiger Probleme kommt es entscheidend auf die Effizienz der auf der
Basis
der qualitativen Theorie dynamischer Systeme zu entwickelnden Methoden
und
Algorithmen an. Dynamische Aspekte spielen auch bei mehreren anderen
Projekten
dieses Graduiertenkollegs sowie beim Entwurf und der Analyse von
mathematischen
Algorithmen im Allgemeinen eine gewisse Rolle.
(J.
Richter-Gebert)
Ziel dieses Projektes ist es, Wissen über invariantentheoretische,
kombinatorische und randomisierte Beweise zu verbinden und daraus einen
sehr mächtigen Hybridbeweiser zu erarbeiten. Eine randomisierte
Komponente soll dabei zunächst genutzt werden, um wahre Aussagen
über eine Konfiguration zu sammeln (ohne zu diesem Zeitpunkt einen
formalen Beweis der Aussagen zu haben). Eine logische Komponente soll
dann auf dem so entstandenen Netzwerk wahrer Aussagen eine
Beweisstrategie entwickeln, deren einzelne Teilschritte danach mit
invariantentheoretischen Methoden durchgeführt werden.
(J.
Richter-Gebert)
Mit Hilfe des dynamischen Geometrie-Programms Cinderella ist es unter
anderem möglich, die Bahnkurve eines konstruierten Punktes unter
der Bewegung eines der Basiselemente darzustellen. Oftmals handelt es
sich bei diesen Kurven um klassische Kurven der Differentialgeometrie
(Kardioiden, Lemiskaten, Watt Kurven, etc.) Ziel des Projektes ist es,
diese per se nicht zugeordneten Kurven zu erkennen und mit einer
Datenbank bekannter Kurven zu vergleichen und einzuordnen. Erschwert
wird diese Aufgabe dadurch, dass die Kurven letztlich nur als numerisch
fehlerbehaftete Punktmengen vorliegen und somit Verfahren, die
approximative und invariantentheoretische Methoden vereinen, notwendig
sind.
(G. Schlichting)
Die Theorie der Wavelets und ihrer Anwendungen in Medizin, Technik und
Naturwissenschaften hat in den letzten Jahren explosionsartig
zugenommen. Die Wavelettransformation hat sich in der Signaltheorie
neben der Fourieranalyse zu etablieren begonnen. Die diskrete
Wavelettransformation ist weit stärker verbreitet als die
kontinuierliche. Gleichwohl besitzt die kontinuierliche Transformation
eine Reihe von Vorteilen gegenüber der diskreten Variante. So sind
die diskreten Transformationen in hohem Maße durch die
Orthogonalitätsforderungen eingeschränkt. Dies wirkt sich
direkt auf die Konstruktion der Wavelets aus, die im Allgemeinen nur
schwer kontrollierbare Glattheits- und Symmetrieeigenschaften aufweisen
und darüberhinaus in höheren Dimensionen schwer zu
konstruieren sind. Eine weitere Schwäche diskreter
Wavelettransformationen
sind fehlende Kovarianzeigenschaften. Als letzter Vorteil der
kontinuierlichen
Transformationen sei schließlich die Verallgemeinerbarkeit auf
(beinahe)
beliebige Mannigfaltigkeiten genannt, dank des gruppentheoretischen
Zugangs. Um kontinuierliche Wavelettransformationen für Probleme
der Signal-
und Bildanalyse zugänglicher zu machen, sind insbesondere
effiziente
Implementationen vonnöten, die im Rahmen des Graduiertenkollegs
entwickelt
werden sollen. Bereits am Kolleg durchgeführte Arbeiten belegen,
dass
dies möglich ist. Die Herausforderung besteht darin, die
anfallenden
Rechenzeiten zu kontrollieren. Weitere interessante Fragestellungen
ergeben
sich aus der Redundanz der Transformation. Viele Waveletalgorithmen in
der
Signalverarbeitung basieren auf einer Bearbeitung der
Waveletkoeffizienten, mit anschließender Rücktransformation.
Sobald ein Waveletsystem keine Orthonormalbasis ist, ergeben sich
Abhängigkeiten zwischen den Waveletkoeffizienten, die es
erschweren, die Folgen eines Bearbeitungsschrittes abzuschätzen.
Hierfür Strategien zu entwickeln, würde der
kontinuierlichen Wavelettransformation neue Anwendungsfelder
erschließen und bereits bestehende Algorithmen mathematisch
fundieren.
(B.
Simeon)
Sportwissenschaften und Unfallmedizin setzen in immer stärkerem
Maße biomechanische Modelle ein, um Belastungssituationen
für den menschlichen Körper zu untersuchen. Im Mittelpunkt
steht dabei die Frage, wie man sowohl akute Verletzungsrisiken als auch
Langzeitschäden reduzieren kann. Biomechanische Modelle basieren
auf der Methode der Mehrkörpersysteme und führen auf
gekoppelte Systeme von gewöhnlichen und partiellen
Differentialgleichungen. Während Starrkörperbewegungen
über gewöhnliche Differentialgleichungen erfasst werden,
bildet die Deformation von Weichteilen (sogenannten Schwabbelmassen)
die Hauptschwierigkeit in
Modellbildung wie Numerik. Das Wissenschaftliche Rechnen soll in diesem
Projekt einen wichtigen Beitrag leisten, um mittels hierarchischer
Substrukturen
zu leistungsfähigeren Techniken zu gelangen. Ziel ist es, Methoden
zu entwickeln, um einzelne interessierende Körperregionen durch
kontinuumsmechanische
Modelle zunächst fein aufzulösen und dann mit einer
Modellreduktion
für die Gesamtsimulation aufzubereiten. Die Kopplungen werden
dabei
über Nebenbedingungen mit Lagrangemultiplikatoren realisiert und
gehen
zentral in die Diskretisierungen in Ort und Zeit ein.
(R.
Zagst)
Da das Kreditgeschäft noch immer bei vielen Banken den
größten Teil des Bankgeschäfts einnimmt, ist durch die
dramatische Zunahme
von Kreditausfällen in den letzten Jahren verbunden mit der
Bekanntgabe der Einführung der Richtlinien zu Basel II der Bedarf
an einer Verbriefung oder Absicherung von Kreditrisiken erheblich
gestiegen. Dementsprechend
nahm das Handelsvolumen von Kreditderivaten und insbesondere
Collateralized
Debt Obligations enorm zu. Parallel dazu wurden in der Literatur eine
Reihe
von Modellen zur Beschreibung des Ausfallrisikos vorgeschlagen. Trotz
einzelner empirischer Untersuchungen zu den verschiedenen Modellklassen
gibt es bisher jedoch keine modellübergreifende empirische Studie,
in der die Güte und der Erklärungsgrad dieser Modelle
systematisch miteinander verglichen wird. Im ersten Teil dieses
Projektes soll daher eine einheitliche Methodik entwickelt werden, um
die verschiedenen Modelle miteinander zu vergleichen. Im zweiten Teil
soll das Modell von Schmid und Zagst erweitert werden,
um die Bewegungen der Zins-, Aktien- und Kreditmärkte gemeinsam
modellieren zu können. Aufbauend auf den ersten beiden Teilen
sollen im dritten Teil die Ergebnisse auf die Bewertung von komplexen
Multi-Counterparty Kreditderivaten und insbesondere Collateralized Debt
Obligations (CDOs) angewendet werden.
(R.
Zagst)
Einer der größten Nachteile der klassischen Portfolio
Optimierung ist die starke Abhängigkeit von den i.A. mit
Messfehlern behafteten Eingabedaten. Die robuste Optimierung -
basierend auf second order cone
programming und semidefinite programming - bietet hierzu einen Ausweg.
Projektziel ist daher die Anwendbarmachung und Weiterentwicklung der
Methoden
der robusten Optimierung im Rahmen der Finanzmathematik. In einem
weiteren
Schritt sollen die entwickelten Verfahren mit bereits existierenden
Einzelansätzen
verglichen werden.
|
Andrea Kampfer (kampfer |